Auf Anordnung der Gesellschaft für ihre Mitglieder gedruckt.
Zürich, 1838.
12 + 90 Seiten
Interna der Gesellschaft Seiten I bis XII
Statutenänderung §5 am 19.3.1838
von wöchentlichen auf monatliche Sitzungen, Beginn Winter 18:00,
Sommer 19:00
mehrere Themen pro Abend mit anschliessendem Zusammensein.
Notizen von Hch. Rud. Schinz zur zoologischen Sammlung: Entstehung,
"Besorgern" etc. Inventar um 1800.
Darunter: "Die Zebrahaut wurde während der Revolution entwendet."
Aufgelistete Gesamtkosten der Sammlung in den letzten Jahren vor 1837:
3800 fl.
Die Sammlung wurde im Jahr 1837 an den Staat (Kanton Zürich) für
Fr. 4000 verkauft unter der Bedingung, "dass die Sammlung nie von Zürich
entfernt werden dürfe und dass dieselbe im Fall der Aufhebung der
Hochschule um dieselbe Summe wieder von der Gesellschaft zu erhalten sei."
Geschenke XI
Mutationen XII
Verhandlungen
1836
| Physik | 1 | |
| Mousson 5.9.1836: | Voltascher Fundamentalversuch | 1 |
| Mousson 9.10.1836 | a) Versuche mit der Oxydationstheorie an der Volta'schen Säule
b) Versuche mit der chemischen Theorie an der Volta'schen Säule |
1
3 |
| Escher 31.10.1836 | Ueber die Farben von Schatten | 5 |
| Physiologie | ||
| Arnold 9.4.1836 | Schädel hinterasiatischer und australischer Völker | 8 |
| Heer 9.5.1836 | Entomologische Sammlungen der Ostschweiz | 8 |
| Tschudi 4.7.1836 | Ueber die Wasserschlangen | 11 |
| Schinz 17.10. 1836 | Zähmung von Säugetieren | 12 |
| Hess 28.11.1836 | Ueber die Termiten | 14 |
| Botanik | 15 | |
| Schinz (Canonicus) 5.9.1836
Schinz, S. nach LuiseNabholz Bibliothekar NGZ |
Labiatae und Boraginae | 45 |
| Mineralogie | 18 | |
| Fröbel 18.9.1836 | Verhältnis der Kristallform zu der chemischen Zusammensetzung der Mineralkörper | 18 |
| Agricultur | 19 | |
| Fäsi 18.11.1836 | Der Bau des Weinstocks in unserem Vaterlande
Lage, Traubensorte, Beschaffenheit des Bodens, Unterlage, Sönderung der Traubensorten |
19 |
| Mechanik | ||
| Oeri 28.11.1836 | Maschine zur Verfertigung genauer Messketten | 20 |
| Geographie | ||
| Horner, Jakob 12.12.1836 | Borneo | 21 |
1837
| Physik | 23 | |
| Mousson 9.1.1837 | Meteor über Zürich vom 5.1.1837 01:10 bis 01:15 | 23 |
| Zeller 23.1.1837 | Perkinsche Heizungsapparate (Dampfheizung mit 175°C) | 23 |
| Mousson 24.4.1837 | Feuermeteore | 26 |
| Eschmann 5.6.1837 | Genauigkeit der (Höhen-)Messungen mit dem Barometer | 29 |
| Mousson 22.10.1837 | Verbesserung an galvanischen Trogapparaten
darin bestehend, die Zinkplatten, nach gehöriger Reinigung mit Säure, oberflächlich zu amalgamieren. Solche Platten, frisch zugerüstet, werden von gewöhnlicher Säure für sich gar nicht oder nur sehr wenig im Augenblick des Eintauchens angegriffen; verbindet man sie dagegen durch einen leitenden Draht mit einer Kupferplatte, so entsteht ein Strom, der für eine bestimmte Menge verzehrten Zinkes eine bedeutend grössere Stärke, als aus dem lebhaften Angriff des gewöhnlichen Zinkes hervorgeht, besitzt. (d.h. Einführung des Quecksilbers in der Batterie) Die Erklärung des Phänomens hat allerdings viel Staub angesetzt. |
35 |
| Mousson 22.10.1837 | Uebersicht der Faraday'schen Induktionserscheinungen | 37 |
| Chemie | 39 | |
| Löwig 23.1.1837 | Fortschritte in der Chemie | 39 |
| Löwig 10.4.1837 | Beiträge zur Theorie der Amide und besonders des Oxamids | 41 |
| Zeller Jakob 3.12.1837 | Krapp und Färberröte | 45 |
| Löwig 11.12.1837 | Alkohole
Herstellung von Kalium-Methylat; Versuche der Analyse des gewaschenen, öligen Produkts. |
50 |
| Lavater 18.12.1837 | Katalyse
Beispiele: Stärke zu Traubenzucker mit Schwefelsäure; Ethanol zu Diethylether durch Schwefelsäure; Oxidation von Ethanol zu Acetat mit Platin. |
54 |
| Medizin | ||
| Meier-Ahrens 20.3.1837 | Fragmente zur Geschichte des Zürcherischen Apothekerwesens
Volltext |
55 |
| Meier-Ahrens 8.5.1837 | Vom medizinischen Unterricht in Zürich von der frühesten Zeit bis 1741 | 59 |
| Meier-Ahrens 20.11.1837 | Geschichte des Hebammen Unterrichts in Zürich v.J. 1554 bis zum Jahre 1774 | 62 |
| Schinz 9.1.1837 | Pyrenäischer Steinbock Erstbeschreibung und die Verwunderung von Schinz, dass dieser noch nicht beschrieben sei. |
65 |
| Tschudi 6.2.1837 | geographische Verbreitung der Amphibien (und Reptilien) in der
Schweiz Abhängigkeit von der Höhe |
67 |
| Heer 6.3.1837 | Uebersicht der Leistungen schweizerischer Naturforscher in Beziehung auf Entomologie, von Conrad Gessner bis zur Periode von Fabricius | 73 |
| Schinz 18.9.1837 | Fossile Affenknochen in Frankreich | 77 |
| Schinz 2.10.1837 | Aus einem Brief von Horner aus Borneo: Orang-Utan | 79 |
| Hess 6.11.1837 | Südamerikanische zahnlose Tiere (Ameisenbär, Faultier , Gürteltier) | 80 |
| Mineralogie | ||
| David Wiser 2.10.1837 | Mineralien: Chabasie, Brookit, Arragon, Amethyst, Albit, Epidot, Titanit, Zinkblende, Rutil und Stufen: Chabasit auf Rauchtopas aus Sedrun etc. | 83 |
| Oekonomie | ||
| Fäsi 20.2.1837 | über den Seidenbau in der Schweiz | 87 |
54
beim Weingeist beobachtet werden, mit Nein beantwortet werden.
18. December 1837. Herr Apotheker Lavater über
die sogenannte katalytische Kraft.
Viele chemische Veränderungen, besonders bei organischen Stoffen,
werden durch Vermittlung eines Körpers bewirkt, der selbst keine Veränderung
erleidet. Diese chemischen Actionen nannte Mitscherlich zuerst chemische
Zersetzungen durch Contact, und Berzelius hieß die Kraft, die dieselben
bewirkt, die katalytische Kraft. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß
diese Kraft, von der uns nur wenig bekannt ist, beim Keimen der Pflanzen
eine nicht unbedeutende Rolle spielt. — Einige dieser Veränderungen
sind in unserer Oekonomie von sehr bedeutendem Einfluß, wozu hauptsächlich
die Umwandlung der Stärke in Zucker, des Zuckers in Weingeist und
diese letztern in Aether auf der einen und Essigsäure auf der ändern
Seite, gehören. Die Stärke findet sich in allen Samen, denjenigen
der Acotyledonen ausgenommen, in vielen knolligen mehrjährigen Wurzeln,
im Stamme mehrerer Monocotyledonen, und in verschiedenen Flechten. Ueber
die Gewinnungsart der Stärke, die Ansicht über die Structur der
Stärkekörner, die Unrichtigkeit der Ansicht Raspails hat Fritzsche
in Petersburg geschrieben. Die Stärke wird durch Contact mit Schwefelsäure
in Stärkezucker umgewandelt, besonders beim Kochpunkt des Wassers;
die Stärke nimmt l Atom Wasser auf, die Schwefelsäure verändert
sich nicht. Dieselbe Veränderung wird auch durch Kleber bewirkt. Der
Zucker, Rohrzucker, Traubenzucker und auch der Milchzucker, den man lange
für gährungsunfähig hielt, obgleich die Araber schon lange
aus der Pferdemilch ein weingeistiges Produkt zu gewinnen verstehen, werden
durch die Gegenwart von Bierhefe oder andere stickstoffhaltige organische
Körper in Weingeist umgewandelt, wobei Kohlensäure entweicht.
Der Traubenzucker nimmt hiebei l Atom Wasser auf; der Rohrzucker gibt 1
Atom Wasser ab. Die Hefe ändert die Eigenschaften nicht; durch mehrmaliger
Eintauchen in kochendes Wasser verliert sie zwar ihre gährungsbefördernden
Eigenschaften, erhält sie aber bei längerem Stehen von der Luft
wieder. Wird der Weingeist mit Schwefelsäure gekocht, so geht Wasser
und Aether über, und laßt man Weingeist in dem Maße zutröpfeln,
als Aether übergeht, so kann man, ohne daß die Schwefelsäure
sich ändert, sehr lange Zeit Aether distilliren. Mitscherlich schreibt
dieß der katalytischen Kraft der Schwefelsäure zu, während
andere Chemiker anderer Ansicht sind. – Die Umwandlung des Weingeistes
in Essigsäure durch Platinschwarz, von Döbereiner entdeckt, und
im Großen zur Essigfabrikation angewandt, gehört ebenfalls in
dieses Gebiet.
Medicin
20. März 1837. Herr Dr. Meier-Ahrens.
„Fragmente zur Geschichte des Zürcherischen Apothekerwesens“
(Folgendes ist nur ein gedrängter Auszug aus gedachter Abhandlung).
Zürich zählte schon Anfangs des siebenzehnten Jahrhunderts
so viele Apotheken in seinen Mauern, daß die einzelnen sich dadurch
sehr belästigt fanden. Der Rath verlangte von den Besitzern im Jahr
1610, sie sollten beständig frische Waaren vorräthig haben. Später
(1674?) wurde (wahrscheinlich auf die im Jahr 1610 an den Rath gerichtete
Bitte der Apotheker), nur demjenigen die Errichtung einer Apotheke gestattet,
der die Notas et Dona gegeben habe, die Valerius Codus von einem pharmacopoeo
fordere. Da die Apotheker versicherten, bei der großen Anzahl von
Apotheken jener Verordnung nicht Folge leisten zn können, sollten
die medici ordinarii den andern Apothekern bestimmen, mit was für
Arzneimitteln die Apotheken versehen sein müssen. Einen von Conrad
Geßner verfaßten Leitfaden „de stirpium collectione“ sollten
sie nach der Apothekerordnung vom Jahr 1670(?) beim Einsammeln der Kräuter
benutzen. Die Apotheken-Visitationen dürfen zu den frühesten
und wohlthätigsten unserer vaterländischen Medicinaleinrichtnngen
gezählt werden. Schon im Jahr 1553 wurden der Stadtarzt Dr. Conrad
Geßner und zwei Meister der Chirurgie beauftragt, in Zukunft jedes
Jahr die Apotheken zn visitiren, alte und schlechte Medicamente auf die
Seite zu schaffen und durch neue ersetzen zu lassen. Verfälschte Arzeneien
zn verkaufen war schon im Jahr 1553 streng verboten. Das Gesetz, betreffend
die Visitationen, wurde auch in dem Jahr 1610 erneuert. Auch war man anf
die sorgfältige Bereitung der Composita (Theriac, Mythridat, Species
cordiales, alexipharmaca) besonders aufmerksam, ja es durften dieselben
ohne Aufsicht der Medici nicht bereitet werden. (Gesetz v. 1610 n. 1674).
Sehr interessant ist es ferner, zu erfahren, daß schon im Jahr 1553
der Mangel eines Dispensatoriums und einer Arzeneitaxe sehr lebhaft gefühlt
wurde, weßwegen Dr. Conrad Geßner und Meister Jakob Rueff als
der Stadt geschworne Aerzte und Sachkundige, im Jahr 1553 beauftragt wurden,
ein Ordinarium und eine Taxe für die Apotheker abzufassen. Ein Dispensator
nun wurde auch später (1674?) wieder gewünscht. Fragt man, ob
Zürichs frühere Apotheker bloß Arzneimittelhändler,
Kaufleute oder Personen waren, die die Arzneien nach den von den Aerzten
vorgeschriebenen magistralen Formeln zubereiteten, so darf man mit Sicherheit
antworten, daß wenigstens in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts
die Receptur statt fand, und so lange bestand, bis im Laufe des siebzehnten
Jahrhunderts die Aerzte die magistralen Arzneien für ihre Privatkranken
in eigenen Hausapotheken zu bereiten anfingen und das Selbstdispensiren
(wahrscheinlich allgemein) eingeführt wurde. Daß dieser Gebrauch
erst im Laufe des siebzehnten Jahrhunders allgemein wurde, ergibt sich
aus Folgendem : Als der Sanitätsrath von der Regierung den Auftrag
erhielt, die sämmtlichen Apotheker vor sich zu bescheiden, und zu
fragen, ob sie im Falle, daß unser Land von ansteckenden Krankheiten
heimgesucht würde, mit den dannzumal nöthigen Vorräthen
von Arzneien versehen wären, äusserten sich die Apotheker, sie
hätten für solche ausserordentliche Fälle wenig oder gar
keine Vorräthe; und überhaupt wäre ihnen durch das Selbstdispensiren
der Herren Doctoren und Medicii der Absatz sehr verkümmert. Sehr ausführlich
zeigten sie, wie in Deutschland und fast durch ganz Europa die Apotheker-Fakultät
von den Regierungen in gutem Stande erhalten werde, und wie auch von den
frühem Regierungen unseres Lande durch verschiedene Ordnungen und
Gesetze die Kunst geschützt worden sei; gegenwärtig aber
stehe den öffentlichen Apothekern der Ruin bevor, da die Aerzte Hausapotheken
halten und Präparate verfertigen, deren Bereitung ihnen nicht zukomme.
Ihre kostbaren Arzneien, erklärten sie, gingen zu Grunde, und sie
wären nicht im Stande größere Vorräthe von Medicamenten
für so ausserordentliche Fälle zu halten. Endlich ersuchten die
Apotheker die gnädigen Herrn, die in aller Welt übliche und von
den Regimentsvorfahren hergebrachte Apotheker-Ordnung wieder einzuführen
und zu bestätigen, die Doktoren bei ihrem Berufe und in ihren Schranken
zu halten und ihnen, den Apothekern auch das Ihrige zu sichern, wie es
früher und noch vor kurzer Zeit der Fall gewesen sei, und versprachen
dagegen, sich den oberkeitlichen Visitationen wieder zu unterziehen, und
eine billige Taxe zu halten.
Allein ein in den servilsten Ausdrücken abgefaßter Memorial,
das die Aerzte nach diesem Ereignisse dem Rathe einreichten, trug über
die Bitten der Apotheker den Sieg davon und die Sache blieb beim Alten.
Die Hauptgründe, die die Aerzte als Beweis der Nothwendigkeit des
Selbstdispensirens anführten, waren folgende: Aus den Recepten errathen
die Apothekergehülfen die Krankheiten und machen damit, zum großen
Aergerniß der Patienten, das Publikum bekannt. Dann wollen
die Aerzte ihre Geheimmittel den Apothekern nicht preis geben, drittens
werden die Kranken durch die öffentlichen Apotheken verderbt, weil
sie verlegene Waare bekommen, da zu viele Apotheken in Zürich seien;
viertens substituiren die Apothekergehülfen nach Willkür andere
anstatt der verordneten Arzneimittel, um mit denselben an den Kranken Versuche
zu machen; und endlich entstehen dadurch für den Armen größere
Kosten.
8. Mai 1837. Herr Dr. Meier-Ahrens: Vom medicinischen
Unterrichte in Zürich von der frühesten Zeit bis 1741
N.B. Da es der Raum nicht gestattet, hier sehr ausführlich zu
sein, so konnten nur einige der wichtigsten Data aus dieser Arbeit hier
aufgenommen werden.
Schon frühe fühlten die Regierungen unsers Landes, wie nothwendig
einem Staate geschickte Aerzte sind, da aber in frühem Zeiten, ja
bis gegen das Ende des siebzehnten Jahrhunderts sich Niemand fand, der
Lust oder Muth hatte, einen ordentlichen öffentlichen Unterricht in
den Heilwissenschaften zu gründen, so strebten die Regenten, dadurch
dem Lande geschickte Aerzte zu verschaffen, daß sie junge hoffnungsvolle
Männer auf ausländischen Hochschulen studieren ließen.
Einen großen Werth legte man besonders auf den Besitz gebildeter
Chirurgen, weil man zu sehr fühlte, welcher Schaden immerfort durch
unwissende Barbiere, Bader und Schärer entstehe. Charakteristisch
für den Stand der Begriffe, welche man damals von den einem Arzte
nothwendigen Kenntnissen hatte, ist die „Ordonanz oder Studien - und Lebensanleitung",
welche die Regierung den im Auslande studirenden Jünglingen auf den
Weg gab. Es heißt darin: „sie sollen die kunst und methodum medendi,
die nammen einfacher und vermißter artznyen, die Diet, die wundartzny
studiren. Sy söllen alle Tag iij lectiones hören, ij in der lybartzny,
j in der wundartzny, die bücher uff ußlegungen uffzeichnen,
die Anatomy mit solchem flyß üben, daß sy an eins menschen
körpel alle innerlich und üßerlich zeigen können,
mit den Doctores der lyb- und wundartzny täglich uff die practic gan
und alle Dinge flyßig merken, jährlich von ihren leren zügniß
zuschicken, in der lyb- und wundartzny Doctores werden, hernach unter der
uffsicht verrümpter, der großen spitäleren Doctoren practiciren
und sich mit allem läben eerbar und gotzförchtig halten.“ Natürlicher
Weise konnten bei weitem nicht alle jungen Leute, welche zum ärtztlichen
Studium Neigung fühlten, sei es auf öffentliche oder ihrer Eltern
Unkosten im Auslande zu Aerzten gebildet werden. Die Mehrzahl mußte
einen andern, wohlfeilem Weg hiezu einschlagen, nämlich Meistern der
Chirurgie sich verdingen, um als ihre Lehrlinge die Barbier - und Wundarzneikunst
zu erlernen. Die Lehrlinge und Gesellen waren verschiedenen Gesetzen unterworfen,
die von der chirurgischen Meisterschaft aufgestellt worden waren.
Es ist leicht einzusehen, daß die ärztliche Bildung, welche
die Meister der Chirurgie ihren Zöglingen geben konnten, nur höchst
mangelhaft war. Gesetzt auch, die bessern unter diesen Meistern haben nach
Möglichkeit gestrebt an den Betten ihrer Kranken ihren Lehrlingen
einen guten praktischen Unterricht zu geben, so fehlte doch das systematisch
geordnete Studium als nothwendige Grundlage. Der Mangel eines ordentlichen
öffentlichen Unterrichtes scheint besonders im Felde der geburtshülflichen
Praxis fühlbar geworden zu sein. Es wurde daher als Hülfsmittel
zur practischen ärztlichen Bildung der Besuch der chirurgischen Operationen
und der Sitzungen der Wundgschau im Spitale benutzt. Es wurde auch wirklich
von Seite der Regierung dem Spitalarzt geboten, den Studiosus med. Gesellen
und Mitmeistern den Zutritt zu den Operationen nicht zu verwehren.
Muralt scheint der erste gewesen zu sein, der in unserer Vaterstadt Unterricht
in der Anatomie ertheilte. Er selbst berichtet, daß er seit 1671
(in welchem Jahr er die erste Section machte), seinen Schülern im
Zergliedern Anweisung gebe. Indeß hatte dieser ausgezeichnete Mann
noch manchen harten Kampf, bis ihm der Rath bewilligte, die practische
Anatomie, deren Werth er ganz richtig beurtheilte, öffentlich lehren
zu dürfen. Muralt bat, man mochte nach dem Beispiel anderer berühmter
Städte die höchst nützliche Kunst der Anatomie befördern,
und zum Tode verurtheilte Verbrecher nebst einem zur Ausübung der
Zergliederungskunst bequemen Orte ihm bestimmen. Allein, obgleich Muralt
auf seine Anfrage den Befehl erhielt, sich in Zukunft des Zergliederns
gänzlich zu enthalten, so scheint er doch, sich nicht entmuthigen
haben zu lassen, sondern sich noch einmal an den Rath gewandt zu haben;
dann gab ihm im Jahr 1677 der Rath sie Erlaubniß, öffentlich
Leichen zu zergliedern. Neun Jahre nachher (1686) entschlossen sich die
Herrn und Meister der Chirurgie (etwa 50 an der Zahl) zum schwarzen Garten,
anatomische Vorlesungen anzuhören, und ersuchten deßhalb ihren
Mitgesellschafter, Joh. v. Muralt, ihnen die Anatomie in deutscher Sprache
vorzutragen, und bewirkten dann beim Rathe die fernere Ablieferung der
Leichen von Verbrechern und an schweren, nicht gehörig erkannten Krankheiten
im Spital verstorbenen Subjecten, …